Das Wollweberhandwerk in Manderscheid
Teil 1 - Niedermanderscheid
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Die Anfänge des Wollweberhandwerks finden wir im 15. Jahrhundert. Am 5. Januar 1426 rechnete der Graf von Manderscheid mit „Meister Wigant“, dem Weber ab. Der Graf blieb dem Weber 40 Gulden schuldig. Durch den „Freiheitsbrief“ von 1437, der die Bewohnerinnen von Niedermanderscheid von Abgaben an das gräfliche Haus entband, war es jetzt auch für Weber interessant, sich im Burgbering niederzulassen. In einer Urkunde von 1463 wird der Weber Clesgyn aus Pantenburg erwähnt.
Die Blütezeit des Niedermanderscheider Wollweberhandwerks lag im 17. und 18. Jahrhundert. Eine statistische Erhebung vom Ende des 17. Jahrhunderts zeigt, dass von zehn Niedermanderscheider Familien sechs das Tuchhandwerk betrieben.
Im Jahre 1655 hatten die Weber die Erlaubnis erhalten, eine Foll-(Walk) Mühle zu errichten. „Wo Stoffe hergestellt wurden, bedurfte es auch einer „Walkmühle“. Wasserkraft bewegte hölzerne Stoßhämmer, mit denen die rohen Tuche bearbeitet wurden. Sie wurden ‚gewalkt‘. Mit Hilfe von Tonerde wurde den Tuchen Fett entzogen. Dadurch erhielten sie zugleich Geschmeidigkeit und Festigkeit.“ (Karl Oehms).
Wo befand sich diese Walkmühle? Ernst Wackenroder vermutete, dass diese die etwa 100 Meter vom eigentlichen Burgbering entfernt gelegene Mühle an der Lieser war. Dort fand der Kunsthistoriker spätgotische Fensterrahmungen und Fachwerkgiebel in Renaissanceform.
1815 gehörte die Mühle zu einem Drittel Gabriel von Soleuvre aus Differdingen in Luxemburg und zu zwei Drittel Johann Wagener aus Dudeldorf. Nach dem Niedergang der Tuchmacherei wurde sie wieder zu einer Getreidemühle, die bis 1965 betrieben wurde. Der letzte Müller war Carl Michels.
Der Rohstoff
Bevor die Stoffe gewebt und bearbeitet werden konnten, musste der „Rohstoff“ erzeugt werden. Diesen lieferten die Schafe. Im Jahre 1686 gab es in der Grafschaft Manderscheid mehr als 2.000 Schafe. Aus ihrer Wolle wurde das Garn zum Weben der Tuche gesponnen. Lange war das „Handspinnen“ am Rad vorherrschend, bevor im 19. Jahrhundert auch in Niedermanderscheid eine mechanische Spinnmaschine zum Einsatz kam.
Die Technik war in England entwickelt worden. Wo befand sich diese “Spinnerei“? Lassen wir wieder Ernst Wackenroder zu Wort kommen. In seinem 1934 veröffentlichen Buch über die Kunstdenkmäler des Kreises Wittlich führt er aus, dass sie am Ausgang des Burgberings lag. Durch die Mitte des Gebäudes erfolgte die Durchfahrt auf die Lieserbrücke (siehe Foto). Wackenroder vermutete, dass es sich bei diesem Gebäude um die alte Getreidemühle handelte, die bereits im Jahre 1447 erwähnt wird. „Am Westausgang ein Wohnhaus mit Durchfahrt (Nr. 1, Spinnerei J. Steffens). […] Der jetzige einfache Bau des 18. Jh. Ist quergestellt, die Durchfahrt ist verbreitert. Heydinger […] hat sich berichten lassen, der untere Teil sei ein alter Turm, der fünfstöckig gewesen wäre. Auf dem Oberlichtsturz einer Haustür: MW und 1769.“
Aus dem Jahre 1841 ist bekannt, dass die Spinnmaschine an 120 Tagen lief und zu ihrer Bedienung insgesamt neun Personen erforderlich waren. 1910 war das Thema „Wollspinnen“ Gegenstand im Gemeinderat. Dieser beschloss, beim Elektrizitätswerk des Wollspinners Michels für die Ortsbeleuchtung 3 Lampen anzuschließen.
1985 befanden sich die Spinnmaschinen (Fotos) in einer Halle, unweit der alten Spinnerei, wo in einem Ladengeschäft Wolle und Wollwaren verkauft wurden.
„Niedermanderscheider Wollspinnerei und Tuchfabrikation (1841)
Wollspinnerei (1)
Wollspinnmaschine (1)
Beschäftigte (9)
Produktion (120 Tage)
Tagesproduktion (46 Pfund)
Gesamt (5.520 Pfund)
Einnahmen pro Pfund (2 Silbergroschen)
Gesamt (368 Taler)
Ausgaben Lohn für 120 Tage (240 Taler)
Ausgaben Maschine (80 Taler)
Gewinn (48 Taler) Entsprechend 2318 Euro (2026).
Tuchmacher (2)
Webstühle (2)
Beschäftigte (4)
Produktion, Preise, Ausgaben, Gewinn pro Betrieb identisch mit Obermanderscheid.“ (Quelle: Landeshauptarchiv Koblenz, Abt. 442, Nr. 3727).
Die Gründe für den Niedergang werden im zweiten Teil erläutert.