Das Wollweberhandwerk in Manderscheid
Teil 2 - Obermanderscheid
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Neben Niedermanderscheid wurde auch der Oberort zu einem bedeutenden Zentrum des Wollweberhandwerks. In einem Dokument aus dem Jahre 1478 wird eine Foll- (Walk) Mühle an der Kleinen Kyll erwähnt. Das sogenannte Walken ist im ersten Teil dieses Beitrags beschrieben.
Zur Blüte entwickelte sich dieser Wirtschaftszweig im 17. und vor allem im 18. Jahrhundert. Die Steuerliste des Jahres 1702 nennt 17 Wollweber, 5 Wollspinner, 1 Tuchscherer und 5 Schneider. So lebten 26 Obermanderscheider Familien direkt vom Tuchgewerbe.
Eine vom Trierer Kurfürsten erlassene Zunftordnung regelte in 21 Artikeln Fragen der Ausbildung der Lehrlinge sowie der Herstellung und des Verkaufs der Wollwaren. Ein weiterer wichtiger Aspekt war die Qualitätskontrolle. Die Zunftordnung zielte wesentlich darauf ab, die Konkurrenz der Zunftmitglieder untereinander als auch von außen zu regulieren. So wurden mit einer Geldstrafe die Versuche geahndet, einem anderen Zunftmitglied die Kundschaft abzuwerben oder das eigene Tuch billiger als zu den festgelegten Preisen zu verkaufen. Die auswärtige Wolle und die Tuche wurden kontrolliert. Zudem mussten die auswärtigen Weber auf den Märkten Standgeld bezahlen. Bekannt sich Querelen mit den Niedermanderscheider Wollwebern.
Der Niedergang
Während Ende des 18. Jahrhunderts noch 100 Familien vom Wollweberhandwerk lebten, waren es 1841 nur noch wenige. Was waren die Ursachen dafür? Zunächst lokaler Art, vor allem die Brandkatastrophe von 1791. Alle finanziellen Rücklagen wurden für den Wiederaufbau der beim Brand zerstörten Häuser benötigt.
Zu den lokalen Ursachen kamen andere wie die technischen Neuerungen. Ende des 18. Jahrhundert wurden in England mechanische Spinn- und Webmaschinen erfunden. Diese lieferten ein Vielfaches der in Handarbeit produzierten Wolle und Tuche.
Der damit einhergehende Preisverfall wurde beschleunigt durch die rasante Ausbreitung von Baumwollstoffen. Einen Rückschlag erlitt die auf Importe angewiesene Baumwollweberei lediglich kurzzeitig durch die Kontinentalsperre Napoleons.
Zum Schluss ein Dokument aus dem Koblenzer Landeshauptarchiv, das den Niedergang verdeutlicht (442,3727):
Obermanderscheider Tuchfabrikation (1841)
Tuchmacher (4)
Webstühle (4)
Beschäftigte (8)
„Abwebung“ eines Stücks (2 Beschäftigte 4 Tage)
Länge eines Stücks (29,58 m)
Garnherstellung: (9 Beschäftige, 6 Tage)
Jahresproduktion (887,33 m)
Ertrag (1144 Taler)
Für ein Stück Tuch (60 Pfund Wolle)
Jahreskosten Wolle (660 Taler)
Löhne und Material (420 Taler)
Gewinn (64 Taler).