Der Manderscheider Markt
Der Manderscheider Markt hat eine circa 1000jährige Geschichte. In einem Verzeichnis der Rechte des Trierer Domkapitels aus dem Zeitraum 980-1180 wird erstmals ein Markt in Manderscheid erwähnt. Die Verleihung der Stadtrechte im Jahre 1332 war mit dem „Marktrecht“ verbunden und führte zu einer ökonomischen Stärkung des kurtrierischen Ortes. (Stadtrechte: Landeshauptarchiv Koblenz, 1A, Nr. 4747).
Im 17. und 18. Jahrhundert war das Bild des Manderscheider Marktes geprägt durch die im Ort ansässigen ca. 100 Tuchmacher-Familien, die dort ihre Stoffe feilboten.
Aus der Zeit um 1830 ist bekannt, dass es Kram- und Viehmärkte gab, aber auch einen Wochenmarkt. (Schaus, Stadtrechteorte). 1840 ist die Rede von „zwei Kram- und Viehmärkten, der eine am Montage nach Maria Himmelfahrt, der andere am Montage nach St. Josephstag.“ Diese gingen aber in der Folgezeit ein.
Am 6. November 1875 beschloss der Gemeinderat von Manderscheid, „höheren Orts“ zwei Kram- und Viehmärkte, einschließlich Schweinemarkt, und zwar für den ersten Montag im Mai und den anderen für den 4. Montag im Oktober zu beantragen (Beschlussbuch der Gemeinde Manderscheid).
Jakob Gessinger aus Laufeld schreibt in seinen handschriftlichen Aufzeichnungen: „ Der Manderscheider Viehmarkt war oberhalb des Ortes an der Bleckhausener Straße auf der Wiese. Die Kram- und Vergnügungszelte standen von der Kellerei (heute Rathauspraxis) beidseits der Straße bis zum Viehmarkt. Die Wirte aus der Umgebung errichteten auf diesen Jahr- und Volksmärkten ihre Zelte und verkauften dort ihre Getränke. Würstchen und Brötchen gab es zu dieser Zeit noch nicht, jeder brachte seine guten und deftigen Eßwaren, Butterbrote mit gutem geräuchertem Bauernschinken in der umhängenden ledernen Markttasche mit.
Auf den Märkten war alles zu haben, was zur damalige Zeit für Leib und Leben erwünscht oder notwendig war. Die Eltern, die erwachsene Töchter und Söhne hatten, überlegten schon lange vorher, wer aus dem Hause und aus welchen Gründen den nächsten Jahrmarkt besuchen sollte- Das schwerste Paar Ochsen oder sonst das schönste Stück Vieh aus dem Stall wurde auf den Marlt gestellt und wenn es auch nur zur Schaustellung war, daneben zum Anhalten der heiratsfähige Sohn oder die Tochter, oder oft auch beide zugleich. Die Väter schauten sich auf dem Markt um nach dem Handel und den Viehpreisen und auch nach anderem. War was Passendes gefunden, so galt zunächst das Interesse den ausgestellten Ochsen oder Kuh, der Sohn, die Tochter, wurden herbeigeholt, mußten auch Lob und Beifall über das ausgestellte Stück aussprechen, man kam ins Gespräch, man ging gemeinschaftlich zum nächsten Wirt in sein Zelt, man trank gemeinschaftlich ein Maß Wein und dann noch eins, die Marktaschen wurden aufgemacht, die Eßwaren wurden auf den Tisch gelegt und gemeinschaftlich verzehrt, die Gespräche wurden immer vertraulicher und herzlicher.
War auch Tanzmusik auf dem Markt, wie in Manderscheid, so ging man am Nachmittag zur Musik. Aber nicht mit feinen Lack- oder Ballschuhen, sondern mit dick besohlten uns gepinnten rindsledernen 'Ballschuhen'.“ Soweit Jakob Gessinger.
Kriegszeiten waren immer schwierige Zeiten für Märkte. Nach dem 2. Weltkrieg erfolgte die Wiederbelebung eines „Kram. Vieh- und Schweinemarktes.“ Der erste fand am 20. März 1952 statt. Wegen zu geringer Beteiligung wurde die Sache 1956 aber wieder eingestellt.
Eine erneue Wiederbelebung des Manderscheider Marktes ging 1983 auf die Initiative von Amtsbürgermeister Densborn zurück.
Am 5. Juni 2025 berichtete der „Wochenspiegel“:
„Am Pfingstsonntag, 9. Juni, von 11 bis 20 Uhr und am Pfingstmontag, 10. Juni, von 11 bis 18 Uhr, findet der "Manderscheider Markt - Kreativ im Kurpark" statt. Veranstaltungsort ist der Kurpark rund um das Kurhaus in Manderscheid. Der Gewerbe- und Verkehrsverein Manderscheid hat als Veranstalter ein Programm für die Besucher zusammengestellt. An 40 Ständen präsentieren ausgesuchte Kunsthandwerker eine Auswahl an selbstgefertigten Dingen. Gefertigt wurden diese Stücke aus den unterschiedlichsten Materialien wie Holz, Stoff, Draht, Wachs, Wolle, Ton, Eisen , Kupfer, Wurzeln, Keramik, Blumen oder Papier. Dabei handelt es sich um kunstvolle Einzelstücke. Der Markt will durch sein Angebot zeigen, wie bei einem kreativen Umgang mit den verschiedensten Rohstoffen die ausgefallensten Produkte entstehen. Am Pfingstsonntag Nachmittag spielt die Gruppe "Handjemach" live im Manderscheider Kurpark.“