Erzeugnisse der Eisenschmitter Hütten
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Die Eisenhütten von Eisenschmitt sind vor allem wegen ihrer kunstvollen Takenplatten und der Ofenherstellung bekannt geworden. Im Jahre 1541 erschien die „Cosmographia Universa“ des Sebastian Münster. Darin heißt es: „Onfern von der Graveschaft Manderscheit in der Herrschafften Kaila, Kronenburg und Sleida, im Thal Hellenthal macht man fürbündig gut schmid eysen, man geusst auch eysen öfen die ins Oberland als Schwaben und Francken verkauft werden.“
Fünfzehn Jahre später machte Georgius Agicola in seinen Büchern über das Berg- und Hüttenwesen den Vermerk, dass in jenen „Schmelzhütten, die auch zugleich eine Gießerei haben, das flüssige Eisen in vielerlei Formen gegossen wird, aus denen Gefäße, Platt für Öfen mit Figuren und Ornamenten, Geschützrohre mehrerer Größen und Glocken von gleicher Beschaffenheit gewonnen werden. Es sind die Hütten der Grafschaft Manderscheid, die sich in der Eisengießkunst besonders auszeichnen.“
Peter Albinus weiß im Jahre 1590 zu berichten, dass die besten eisernen Öfen im Sauerland un in der Grafschaft Manderscheid gegossen würden.
In Eisenschmitt wurden Kamin-, Taken- und Ofenplatten hergestellt. Die Kaminplatte wurde als Wandschutz und zur besseren Wärmeabstrahlung hinter der offenen Feuerstelle des Hauses befestigt.
Die Takenplatte war eine Weiterentwicklung der Kaminplatte unter Ausnutzung der Wärmeleitfähigkeit des Eisens. Als man sich nicht mehr mit der Beheizung eines Raumes im Haus begnügte, wurde oftmals die Rückwand der Feuerstelle herausgebrochen. Statt dessen übernahm nun eine eingelassene Eisengussplatte die Wärmeleitung in den Nachbarraum und schuf damit eine erste indirekte Heizmöglichkeit. Mit Hilfe der Ofenplatten wurde zur Vergrößerung der Wärmeabstrahlungsfläche ein Kastenofen zusammengesetzt.
Die beiden hier abgebildeten Platten sind in Eisenschmitt gegossen worden. Sie stammen aus dem Jahre 1580. Die Hütten hatte ihre Arbeit wieder aufgenommen, nachdem sie zwischen 1564 und 1571 wegen „planloser Holzwirtschaft“ geschlossen werden mussten. Bereits 1535 hatten die gräflichen Beamten über „unverantwortliche Schäden“ in den Wäldern um Eisenschmitt geklagt, die „Rheydmeister“ hätten die Wälder „schädlich verwüstet und verhawen.“ Das Holz wurde zu Holzkohle verarbeitet, die für die Eisenerzeugung erforderlich war.
Beide Herdplatten tragen die Eisenschmitter Hüttenmarke. Die erste Platte zeigt das Manderscheider Wappen sowie – in schlechtem Erhaltungszustand – zwei Medaillons mit der Anbetung des Kindes mit Maria, Josef un dem Engel auf der linken Seite und der „Erschaffung“ Evas auf der rechten. Diese Motive sind nach besser erhaltenen Abgüssen nach gleichem Modell dem hessischen Formenschneider Konrad Luckeln, Schüler von Philipp Soldan, zuzuordnen.
Die andere Platte zeigt Justitia und Prudencia. Sie trägt die Aufschrift „An der Salm erglüht vom Feuer die wiederhergestellte Werkstatt, den dem Tag, da dir o Täufer, die Kehle abgeschnitten wurde.“ Die rechte Seite gesagt „Hier bleibt nach dem Recht der Vorfahren der dritte Theil dem Grafen, der den Manderscheider Boden regiert.“
Bei der Herstellung der Herdplatten wurde ein vorgefertigtes Holzmodell in angefeuchteten Sand gedrückt und auf diesen Negativabdruck das flüssige Eisen gegossen.
Welche sonstigen Produkte wurden in Eisenschmitt hergestellt? Neben den schon erwähnten Geschützrohren ist aus einer kurtrierischen Rechnung aus dem Jahre 1489 ein „Wilhelm von der Isenschmitt“ erwähnt, der Hakenbüchsen und „Thommeler“ (Wurfmaschinen) für die Belagerung von Beilstein bei Cochem lieferte. Aus dem 16. Jahrhundert ist bekannt, dass in Eisenschmitt hergestellt wurden: Eisenkugeln, Eisenscharen für Steingräber, eiserne Pfannen, Eisenhaken, Stubenöfen, Takenplatten, Brandruten, Ambosse, Eisenkessel und -töpfe.
Hergestellt wurden auch gußeiserne Kreuze. Nach der Schulchronik von Eisenschmitt wurden solche Kreuze 1616 für die Kirchen in Eisenschmitt, Oberkail und Gransdorf gegossen. Nach den Beridhten des Georgius Agricola wurden in Eisenschmitt auch Glocken gegossen. Eine der ersten Glocken soll aus dem Jahre 1488 stammen. Im Jahre 1705 stelle Matthias Freiwald eine Glocke für die Kirche in „Kail“. Er stammte aus Hinzerath und war von 1692 bis 1722 in Eisenschmitt tätig. In der Wintricher Kirche befand sich eine Glocke, die die Inschrift trug „Gegossen von Michael Freiwald, Eisenschmitt 1722.“