Martinszug in Manderscheid
Sankt Martin, Sankt Martin, Sankt Martin
ritt durch Schnee und Wind,
sein Roß das trug ihn fort geschwind.
Sankt Martin ritt mit leichtem Mut:
sein Mantel deckt' ihn warm und gut.
Im Schnee saß, im Schnee saß,
im Schnee da saß ein armer Mann,
hatt' Kleider nicht, hatt' Lumpen an.
"O helft mir doch in meiner Not,
sonst ist der bittre Frost mein Tod!"
Der Martinstag am 11. November ist im Kirchenjahr das Fest des heiligen Martin von Tours. In vielen Regionen Deutschlands, Österreichs, der Schweiz, in Luxemburg sowie in Ostbelgien, Südtirol und Oberschlesien sind Umzüge zum Martinstag üblich. Bei den Umzügen ziehen Kinder mit Laternen durch die Straßen der Dörfer und Städte. Begleitet werden sie häufig von einem auf einem Schimmel sitzenden Reiter, der mit einem roten Mantel den heiligen Martin als römischen Soldaten darstellt. Bei dem Umzug werden Martinslieder gesungen, häufig begleitet von einer Blaskapelle. Die Laternen werden oft vorher im Unterricht der Grundschulen und in Kindergärten gebastelt. Zum Abschluss gibt es häufig ein großes Martinsfeuer, wo jedes Kind einen Weckmann oder eine Martinsbrezel erhält.
Der erste Martinszug in Manderscheid fand im Jahre 1950 statt. In Vertretung des heiligen Martin saß Heinz Scheuerer hoch zu Ross. Der Zug führte von der Schule auf dem Burberg durch die Hauptstraße zur Kirche und wieder zurück. Auf dem Schulhof brannte dann ein großes Martinsfeuer. Das Holz hatten die älteren Schüler vorher im Wald gesammelt. Nach dem Zug erhielt jedes Kind die wohlverdiente Brezel. Die Brezeln wurden meist von Lehrer Viktor Redagne am Eingang zum Schulhof verteilt. Besonders schlaue Schüler sprangen dann die Schulhofmauer herunter und stellten sich vorne wieder an, in der Hoffnung noch eine Brezel zu ergattern.
1951 wurden im Zug erstmals drei Gänse mitgeführt, die dann am Martinsfeuer verlost wurden. Die Tage zuvor hatten die Schulkinder Lose im Dorf verkauft. 1953 fand, warum auch immer, kein Martinszug in Manderscheid statt. 1958 wurde der heilige Martin von Willibald Heckel verkörpert. In einen Gänsewagen wurden fünf schnatternde Gänse mitgeführt. Alle Häuser an der Straße waren mit Lichtern geschmückt.
Von den Schulkindern wurden wunderschöne Fackeln gebastelt. Eine Kommission prämierte die schönsten Leuchten. Kurt Schanzenbächer war dabei stets unter den Preisträgern. 1962 gewann der 12-jährige August Becker mit einem Nachbau des Kirchenerweiterungsbaus den Ersten Preis. 1963 wurden insgesamt 33 Fackeln prämiert.
1966 übernahm erstmals der Eifelverein die Durchführung des Martinszuges. Wieder wurden fast 30 gebastelte Fackeln prämiert. Die Zeitung schrieb damals „Manderscheid war ein Lichtermeer“.
Nachdem der Schulhof eine Teerdecke erhalten hatte, musste der Zug an anderer Stelle enden. Zuerst an Luziakirch und dann auf Kommer, wo die Manderscheider Frauen einst ihre Wäsche bleichten. Nach Heinz Scheurer und Willibald Heckel saß Karl Steffens (Wöllems Koarl) 35 Jahre lang stellvertretend für den Heiligen Martin mit Chormantel und preußischer Pickelhaube auf dem Pferd.
Heute, 75 Jahre später, zieht immer noch ein Martinszug durch unsere Stadt. Die Feuerwehr sichert den Zug. Der Musikverein spielt immer noch das gleiche Lied, aber sowohl Kinder wie auch ihre Eltern scheinen über die Jahre hinweg den Text des Martinsliedes vergessen zu haben und in den Fenstern brennen immer weniger Lichter. Doch am großen Feuer gibt es immer noch die begehrte Brezel.