Zur Postgeschichte des Raumes Manderscheid
Teil 1 (Fotos durch Anlicken vergrößern)
Postkutschen
Die Anfänge des organisierten Postwesens reichen bis zum Anfang des 16. Jahrhunderts zurück. Durch Verträge von 1505 und 1516 wurde Franz von Taxis erster Postmeister im „Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation.“ Der „Reichspostkurs“ Brüssel-Innsbruck führte schon im Jahre 1506 über Hatzenport an der Mosel und ab 1517 über Lieser bei Bernkastel.
Im April 1725 regelte ein Vertrag mit dem Kurfürsten von Trier die Einrichtung einer Verbindung zwischen Koblenz und Trier und den Bau mehrerer Brücken. Dieser Vertrag berührte auch den Manderscheider Raum. Die neue Verbindung führte von Trier nach Wittlich und weiter über Hasborn, Oberscheidweiler, Lutzerath, Kaisersesch und Polch nach Koblenz.
Im Jahre 1879 fuhr die letzte Postkutsche von Wittlich nach Lutzerath. .Nach der Einrichtung einer Eisenbahnverbindung von Trier nach Koblenz im gleichen Jahr war diese Verbindung unrentabel geworden.
Dennoch gab es weiterhin Verbindungen. Der Wittlicher Gastwirt Josef Losen war gleichzeitig Posthalter und zuständig für zwei Linien von Wittlich über Großlittgen, Eisenschmitt bis Oberkail und zeitweise auch bis Manderscheid. Als Losen 1889 starb, führte seine Frau Luzia bis Posthalterei bis 1909 weiter.
Literarisch fand diese Postkutschenverbindung ihren Niederschlag in Clara Viebigs Roman „Vom Müller-Hannes“.
Eine von Manderscheid nach Daun verkehrende Postkutsche hatte Platz für vier Personen. Da der Andrang groß war, erschien es ratsam, sich frühzeitig Platzkarten zu organisieren. In Manderscheid waren drei reichseigene Postkutschen und zehn Pferde stationiert. Die Pferde musste der jeweilige Postverwalter stellen. Der erste Posthalter soll um 1840 Amtsbürgermeister Georg Meyer gewesen sein. Seine Nachfolger waren Peter Pantenburg und Caspar Floß, wie der spätere Leiter der Post, Johann Leinen, zu berichten wusste.
Für die Postkutschenverbindung von Wittlich nach Eisenschmitt, die besondere Bedeutung für den sich in Eisenschmitt / Eichelhütte entwickelnden Fremdenverkehr hatte, galt z.B. im Jahre 1907 der folgende Fahrplan
Nachmittag:
Wittlich 4:30 Uhr
Eichelhütte 6:30 Uhr
Eisenschmitt 6:50 Uhr
Vormittag:
Eisenschmitt 7:40 Uhr
Eichelhütte 7:50 Uhr
Wittlich 9:35 Uhr
Von Eisenschmitt / Eichelhütte zum Bahnhof in Kyllburg gab es private Angebote. Die Fahrzeit betrug 1 Stunde und 50 Minuten. Die Kutsche verkehrte ab 7 Uhr morgens im Pendelverkehr.
Mit den feierlichen Eröffnungen der Eisenbahn-Verbindungen Daun-Gillenfeld (1. Dezember 1909), Gillenfeld Manderscheid (1. Mai 1910) und Manderscheid-Wittlich (30. Juni 1910) war die Zeit der Postkutschenromantik in Manderscheid vorbei.